Zwischen Stute und Fohlen besteht eine besondere Verbindung.

Werden Fohlen zu früh entwöhnt? 

Wissenschaftlich fundierte Forschung schlägt vor, die Praxis der frühen Entwöhnung zu überdenken. 

Das Absetzen kann sowohl für das Fohlen als auch für die Stute stressig sein. Es kann hilfreich sein, die beiden nur einen Zaun voneinander entfernt zu halten. Foto:Vielbauch - Thorsten Schneider

Eine aktive Rolle beim Absetzen 

Mit der Zeit verändern die Fohlen Verhalten und Interaktionen mit der Stute. In Studien wurden individuelle Unterschiede zwischen Fohlen der gleichen Rasse festgestellt. Diese können sowohl mit der Genetik aber auch den jeweiligen Erfahrungen des Fohlens zusammenhängen. Insgesamt verläuft der natürliche Entwöhnungsprozess bei Pferden schrittweise und beinhaltet Veränderungen in der Ernährung, im Verhalten und in den sozialen Interaktionen. Die Veränderungen des Abstands zwischen Stute und Fohlen und der Säugeaktivitäten sind hauptsächlich auf die Initiative des Fohlens zurückzuführen. Das beweist, dass das Jungtier eine aktive Rolle im Entwöhnungsprozess spielt. Bei wild lebenden Pferden findet die Entwöhnung mit neun bis zehn Monaten statt. Das ist deutlich später als das Absetzen nach vier bis sieben Monaten. 

Überdenken des Prozesses  

Die bisherige Forschung konzentrierte sich auf die Verringerung des Stresses und die negativen Auswirkungen, die das Absetzen sowohl für die Stute als auch für das Fohlen mit sich bringt. Aus diesem Grund argumentieren die Forscher, dass mehr Wissen darüber erforderlich ist, wie der optimale Entwöhnungsprozess aussehen sollte. Unsere Praxis des frühen Absetzens muss sich ändern, wenn wir nichttraumatisierte Pferde erzeugen wollen, die eine sichere Bindung zum Menschen aufbauen können. Stutenbesitzer müssen die Faktoren und Folgen des frühen Absetzens verstehen. Beim natürlichen Absetzen werden weder bei der Stute noch beim Fohlen Frustrations- oder Stressverhalten beobachtet. Die Auswirkungen des frühen Absetzens bei Pferden auf das Verhalten von Jung- und Muttertier sind gut dokumentiert. Es ist weitestgehend unbestritten, dass beide in dieser Zeit häufig unter Stress leiden. In Anbetracht dessen, was wir über das Wohlergehen von Pferden wissen, sollten wir diese Praxis vielleicht in Frage stellen. Wir müssen uns fragen, ob das frühe Absetzen notwendig ist oder ob eine Alternative gefunden werden sollte.

Beim Absetzen geht es nicht nur um die Ernährung

Beim Absetzen von Fohlen geht es nicht nur um eine Umstellung der Ernährung, sondern auch darum, eine sichere Basis zu schaffen, von der aus das Fohlen lernen kann, was es bedeutet, ein erwachsenes Pferd zu werden. Forscher vermuten, dass Menschen und andere Säugetiere ein natürliches Bedürfnis haben, eine starke Bindung zu einer primären Bezugsperson, in der Regel ihrer Mutter, aufzubauen, um zu überleben. Sie entwickeln enge Bande zu beständigen, einfühlsamen und ansprechbaren „Betreuern“.

Dieser Bezug hilft, das Erregungsniveau zu regulieren und vermittelt ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Eine sichere Bindung ist entscheidend für Wachstum und Entwicklung, das Erlernen sozialer Verhaltensweisen und die Beziehungsfähigkeit.

Frühe Traumata, die durch zu frühes Absetzen entstehen und andere Störungen der Bindung können das Verhalten des Pferdes und die Beziehung zum Menschen beeinträchtigen. Studien deuten darauf hin, dass viele domestizierte Pferde frühe Traumata erlebt haben, was bei der Interpretation ihres Verhaltens und dem Verständnis ihrer Beziehung zum Menschen zu berücksichtigen ist.





Kurzfristige Auswirkungen des frühen Absetzens

Das frühe Absetzen kann die physiologische Gesundheit des Fohlens beeinträchtigen und zu negativen Verhaltensreaktionen führen. Man kann Fohlen nach ihren Müttern rufen hören - verstärktes Wiehern ist über große Distanzen wahrzunehmen. Die Fohlen sind in höchster Alarmbereitschaft und äppeln deutlich häufiger. Sie sind oft sehr unruhig und einige Fohlen versuchen sogar, über Zäune zu springen oder Boxenwände zu überwinden. Dieses Verhalten birgt die Gefahr von Verletzungen, insbesondere in den ersten beiden Tagen.

Die verborgenen Folgen des frühen Absetzens

Mit fortschreitender Trennung beruhigt sich das Fohlen jedoch. Auch wenn der Anschein erweckt wird, alles sei in Ordnung, ist es dennoch möglich, dass die Fohlen immer noch Negativgefühle haben. Verhaltensänderungen, wie z. B. verändertes Fress- und Schlafverhalten, können sich über einen längeren Zeitraum hinweg zeigen. Manche Fohlen werden aggressiver und hören auf zu spielen. Aus Frustration können sie ihr Saugverhalten auf gleichaltrige Artgenossen verlagern.

Das Absetzen ist die Hauptursache für stereotypes Verhalten 

Mehrere wissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass das Absetzen eine der Hauptursachen für Stereotypien und Verhaltensstörungen ist. So zeigten bei einer Untersuchung von 225 jungen Pferden, die im Alter von fünf Monaten abgesetzt wurden, 30 % nach zehn Wochen abnormales Holzkauen. 7 % zeigten im Alter von 1,5 Jahren stereotypes Verhalten. Darüber hinaus stellten die Forscher fest, dass stereotype Pferde häufiger Beeinträchtigungen beim Lernverhalten haben als gesunde Pferde.

Aufrechterhaltung der Bindung 

Im Gegensatz zur stressigen Entwöh-nungspraxis, die durch die Trennung von Stute und Fohlen durch den Menschen verursacht wird, ist die Entwöhnung bei Wildpferden ein friedlicher Prozess. Er wird oft vom Fohlen eingeleitet, ohne dass es Anzeichen von Ablehnung oder Stress für beide Seiten gibt. Unter natürlichen Bedingungen haben Stuten und Fohlen eine enge Bindung, die mit der Geburt beginnt. In den ersten Monaten sind die Fohlen in Bezug auf Ernährung und Schutz weitgehend von ihren Müttern abhängig, und Stuten und Fohlen sind in der Regel nicht weiter als fünf Meter voneinander entfernt. Im Laufe der Zeit ändert sich die Beziehung zwischen Stute und Fohlen. 

Das Absetzen erfolgt über mehrere Monate 

Der Entwöhnungsprozess bei Pferden, die unter naturnahen Bedingungen leben, erfolgt schrittweise. Er erstreckt sich über mehrere Monate und ist gekennzeichnet durch eine allmähliche Vergrößerung des Abstands zwischen Stute und Fohlen, eine Abnahme der Säugefrequenz und eine Zunahme der sozialen Interaktionen. Was die Forscher jedoch überraschte, war, dass sie keinen Unterschied darin sahen, wie oft die Stute das Fohlen in den letzten zwei Wochen vor dem Absetzen säugte. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Hauptursache für Stress während des frühen Absetzens die abrupt beendete Bindung zwischen der Stute und dem Fohlen ist und nicht das Ende des Säugens.

Von Merete Haahr Fotos: Vielbauch - Thorsten Schneider & Kamila Tworkowska

Das Absetzen ist eines der stressigsten Ereignisse für das Fohlen und seine Mutter. Das vom Menschen initiierte frühe Absetzen hat zahlreiche psychische und physische Folgen. Die Verhaltensforschung zeigt, dass das Absetzen bei wild lebenden Pferden viel später erfolgt und keinerlei Stress verursacht. Vielleicht ist es mit Blick auf das Wohlergehen des Pferdes an der Zeit, die herkömmliche Praxis zu überdenken? 


Das erste Lebensjahr ist eine kritische und sensible Zeit für die Fohlen. Der Einfluss der Mutter auf die Sinneswahrnehmung und die sozialen Interaktionen des Fohlens in den ersten Lebensmonaten trägt dazu bei, wie sich individuelle Eigenschaften im späteren Leben entwickeln. Es ist üblich, die Fohlen mit vier bis sieben Monaten von der Mutter zu entwöhnen. Eine Forschergruppe aus Frankreich und Island hat versucht, sich einen Gesamtüberblick über die bisherigen Forschungen zum Absetzen zu verschaffen. 

Darüber hinaus haben sie eine neue Studie darüber erhoben, wie das Absetzen unter natürlichen Bedingungen erfolgt. Dabei stellten sie fest, dass die Entwöhnung im Alter von neun bis zehn Monaten stattfindet. Unter natürlichen Umständen ist es ein friedlicher Prozess, der oft vom Fohlen selbst eingeleitet wird, ohne Anzeichen von Stress für beide Seiten. 

Die Forscher sind der Meinung, dass wir das traditionelle Verfahren des Absetzens überdenken sollten. Wir müssen die Auswirkungen auf das Wohlergehen von Fohlen und Stute beachten und die Vorteile, wenn das Fohlen länger bei der Mutter bleibt, in Betracht ziehen. 

Was ist Absetzen?

Das Absetzen wird allgemein als die traumatischste Zeit im Leben des Fohlens angesehen. Es bedeutet, dass Fohlen und Stute sich nicht mehr sehen, hören oder berühren können. Der Abbruch der Bindung erfolgt in der Regel abrupt und zu einem Zeitpunkt, zu dem das Kleine noch eng mit seiner Mutter verbunden ist. Durch das frühe Absetzen ist das Fohlen verschiedenen ernährungsbedingten, sozialen und umweltspezifischen Herausforderungen ausgesetzt. Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass das Absetzen zu kurzfristigen und in einigen Fällen auch zu langfristigen schwerwiegenden Beeinträchtigungen führen kann. 

Der Hintergrund des Absetzens 

Die Praxis des frühen Absetzens im Alter von vier Monaten geht auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Damals fanden Forscher heraus, dass die Milch der Stute nicht mehr ausreicht, um das schnell wachsende Fohlen etwa drei bis vier Monate nach dem Abfohlen zu ernähren. Man ging daher davon aus, dass es für die körperliche Entwicklung von Fohlen gut ist, wenn man früh absetzt. Die routinemäßige Praxis des frühen Absetzens verbreitete sich unter professionellen Züchtern, dicht gefolgt von nichtprofessionellen Züchtern, die nur ein oder zwei Stuten besaßen. Mit dem heutigen Wissen über das Wohlergehen von Pferden und den neuen Möglichkeiten der Pferdehaltung und -fütterung gibt es keinen Grund mehr Fohlen und Stute so früh zu trennen. Trotzdem ist es aus praktischen und wirtschaftlichen Gründen immer noch eine weit verbreitete Praxis unter Züchtern. Leider beruhen einige dieser Gründe eher auf Gewohnheit und Tradition als auf den Aussichten, das Wohl der Fohlen zu verbessern. 

Beurteilung des Wohlbefindens während des Prozesses 

Für die Beurteilung des Wohlbefindens ist die Wahrung emotionaler Bedürfnisse ebenso wichtig wie die Berücksichtigung körperlicher Bedürfnisse. Das Fünf-Domänen-Modell ist eine wissenschaftlich fundierte Struktur zur Bewertung des Wohlergehens von Tieren. Es berücksichtigt die Tatsache, dass Tiere eine Reihe positiver und negativer Emotionen erleben können und betont die entscheidende Rolle positiver Erfahrungen für das Wohlbefinden eines Tieres.  

Das Modell umfasst fünf Bereiche: Ernährung, Umwelt, Gesundheit, Verhalten und psychische Aspekte.

Wenn ein Fohlen abgesetzt wird, bevor es bereit ist, wird das Wohlergehen des Fohlens in allen fünf Bereichen gestört: 

  • Die Ernährung des Fohlens ist beeinträchtigt, da es feste Nahrung noch nicht vollständig verdauen kann. 

  • Die Umgebung des Fohlens wird verändert, da es nicht mehr bei seiner Mutter und der Herde bleiben kann. 

  • Das Absetzen kann die Gesundheit des Fohlens beeinträchtigen, da es neuen Krankheitserregern und Stress ausgesetzt ist. 

  • Das Verhalten des Fohlens wird negativ beeinflusst, da es stereotype Verhaltensweisen wie Krippenbeißen oder Weben entwickeln kann. 

  • Die psychische Verfassung des Fohlens wird gestört, da es Angst und Stress ausgesetzt ist.

Das Absetzen kann sowohl für das Fohlen als auch für die Stute stressig sein. Es kann hilfreich sein, die beiden nur einen Zaun voneinander entfernt zu halten. Foto:Vielbauch - Thorsten Schneider

Eine aktive Rolle beim Absetzen 

Mit der Zeit verändern die Fohlen Verhalten und Interaktionen mit der Stute. In Studien wurden individuelle Unterschiede zwischen Fohlen der gleichen Rasse festgestellt. Diese können sowohl mit der Genetik aber auch den jeweiligen Erfahrungen des Fohlens zusammenhängen. Insgesamt verläuft der natürliche Entwöhnungsprozess bei Pferden schrittweise und beinhaltet Veränderungen in der Ernährung, im Verhalten und in den sozialen Interaktionen. Die Veränderungen des Abstands zwischen Stute und Fohlen und der Säugeaktivitäten sind hauptsächlich auf die Initiative des Fohlens zurückzuführen. Das beweist, dass das Jungtier eine aktive Rolle im Entwöhnungsprozess spielt. Bei wild lebenden Pferden findet die Entwöhnung mit neun bis zehn Monaten statt. Das ist deutlich später als das Absetzen nach vier bis sieben Monaten. 

Überdenken des Prozesses  

Die bisherige Forschung konzentrierte sich auf die Verringerung des Stresses und die negativen Auswirkungen, die das Absetzen sowohl für die Stute als auch für das Fohlen mit sich bringt. Aus diesem Grund argumentieren die Forscher, dass mehr Wissen darüber erforderlich ist, wie der optimale Entwöhnungsprozess aussehen sollte. Unsere Praxis des frühen Absetzens muss sich ändern, wenn wir nichttraumatisierte Pferde erzeugen wollen, die eine sichere Bindung zum Menschen aufbauen können. Stutenbesitzer müssen die Faktoren und Folgen des frühen Absetzens verstehen. Beim natürlichen Absetzen werden weder bei der Stute noch beim Fohlen Frustrations- oder Stressverhalten beobachtet. Die Auswirkungen des frühen Absetzens bei Pferden auf das Verhalten von Jung- und Muttertier sind gut dokumentiert. Es ist weitestgehend unbestritten, dass beide in dieser Zeit häufig unter Stress leiden. In Anbetracht dessen, was wir über das Wohlergehen von Pferden wissen, sollten wir diese Praxis vielleicht in Frage stellen. Wir müssen uns fragen, ob das frühe Absetzen notwendig ist oder ob eine Alternative gefunden werden sollte.

Zwischen Stute und Fohlen besteht eine besondere Verbindung.

Beim Absetzen geht es nicht nur um die Ernährung

Beim Absetzen von Fohlen geht es nicht nur um eine Umstellung der Ernährung, sondern auch darum, eine sichere Basis zu schaffen, von der aus das Fohlen lernen kann, was es bedeutet, ein erwachsenes Pferd zu werden. Forscher vermuten, dass Menschen und andere Säugetiere ein natürliches Bedürfnis haben, eine starke Bindung zu einer primären Bezugsperson, in der Regel ihrer Mutter, aufzubauen, um zu überleben. Sie entwickeln enge Bande zu beständigen, einfühlsamen und ansprechbaren „Betreuern“.

Dieser Bezug hilft, das Erregungsniveau zu regulieren und vermittelt ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Eine sichere Bindung ist entscheidend für Wachstum und Entwicklung, das Erlernen sozialer Verhaltensweisen und die Beziehungsfähigkeit.

Frühe Traumata, die durch zu frühes Absetzen entstehen und andere Störungen der Bindung können das Verhalten des Pferdes und die Beziehung zum Menschen beeinträchtigen. Studien deuten darauf hin, dass viele domestizierte Pferde frühe Traumata erlebt haben, was bei der Interpretation ihres Verhaltens und dem Verständnis ihrer Beziehung zum Menschen zu berücksichtigen ist.





Kurzfristige Auswirkungen des frühen Absetzens

Das frühe Absetzen kann die physiologische Gesundheit des Fohlens beeinträchtigen und zu negativen Verhaltensreaktionen führen. Man kann Fohlen nach ihren Müttern rufen hören - verstärktes Wiehern ist über große Distanzen wahrzunehmen. Die Fohlen sind in höchster Alarmbereitschaft und äppeln deutlich häufiger. Sie sind oft sehr unruhig und einige Fohlen versuchen sogar, über Zäune zu springen oder Boxenwände zu überwinden. Dieses Verhalten birgt die Gefahr von Verletzungen, insbesondere in den ersten beiden Tagen.

Die verborgenen Folgen des frühen Absetzens

Mit fortschreitender Trennung beruhigt sich das Fohlen jedoch. Auch wenn der Anschein erweckt wird, alles sei in Ordnung, ist es dennoch möglich, dass die Fohlen immer noch Negativgefühle haben. Verhaltensänderungen, wie z. B. verändertes Fress- und Schlafverhalten, können sich über einen längeren Zeitraum hinweg zeigen. Manche Fohlen werden aggressiver und hören auf zu spielen. Aus Frustration können sie ihr Saugverhalten auf gleichaltrige Artgenossen verlagern.

Das Absetzen ist die Hauptursache für stereotypes Verhalten 

Mehrere wissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass das Absetzen eine der Hauptursachen für Stereotypien und Verhaltensstörungen ist. So zeigten bei einer Untersuchung von 225 jungen Pferden, die im Alter von fünf Monaten abgesetzt wurden, 30 % nach zehn Wochen abnormales Holzkauen. 7 % zeigten im Alter von 1,5 Jahren stereotypes Verhalten. Darüber hinaus stellten die Forscher fest, dass stereotype Pferde häufiger Beeinträchtigungen beim Lernverhalten haben als gesunde Pferde.

Aufrechterhaltung der Bindung 

Im Gegensatz zur stressigen Entwöh-nungspraxis, die durch die Trennung von Stute und Fohlen durch den Menschen verursacht wird, ist die Entwöhnung bei Wildpferden ein friedlicher Prozess. Er wird oft vom Fohlen eingeleitet, ohne dass es Anzeichen von Ablehnung oder Stress für beide Seiten gibt. Unter natürlichen Bedingungen haben Stuten und Fohlen eine enge Bindung, die mit der Geburt beginnt. In den ersten Monaten sind die Fohlen in Bezug auf Ernährung und Schutz weitgehend von ihren Müttern abhängig, und Stuten und Fohlen sind in der Regel nicht weiter als fünf Meter voneinander entfernt. Im Laufe der Zeit ändert sich die Beziehung zwischen Stute und Fohlen. 

Das Absetzen erfolgt über mehrere Monate 

Der Entwöhnungsprozess bei Pferden, die unter naturnahen Bedingungen leben, erfolgt schrittweise. Er erstreckt sich über mehrere Monate und ist gekennzeichnet durch eine allmähliche Vergrößerung des Abstands zwischen Stute und Fohlen, eine Abnahme der Säugefrequenz und eine Zunahme der sozialen Interaktionen. Was die Forscher jedoch überraschte, war, dass sie keinen Unterschied darin sahen, wie oft die Stute das Fohlen in den letzten zwei Wochen vor dem Absetzen säugte. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Hauptursache für Stress während des frühen Absetzens die abrupt beendete Bindung zwischen der Stute und dem Fohlen ist und nicht das Ende des Säugens.

Das erste Lebensjahr ist eine kritische und sensible Zeit für die Fohlen. Der Einfluss der Mutter auf die Sinneswahrnehmung und die sozialen Interaktionen des Fohlens in den ersten Lebensmonaten trägt dazu bei, wie sich individuelle Eigenschaften im späteren Leben entwickeln. Es ist üblich, die Fohlen mit vier bis sieben Monaten von der Mutter zu entwöhnen. Eine Forschergruppe aus Frankreich und Island hat versucht, sich einen Gesamtüberblick über die bisherigen Forschungen zum Absetzen zu verschaffen. 

Darüber hinaus haben sie eine neue Studie darüber erhoben, wie das Absetzen unter natürlichen Bedingungen erfolgt. Dabei stellten sie fest, dass die Entwöhnung im Alter von neun bis zehn Monaten stattfindet. Unter natürlichen Umständen ist es ein friedlicher Prozess, der oft vom Fohlen selbst eingeleitet wird, ohne Anzeichen von Stress für beide Seiten. 

Die Forscher sind der Meinung, dass wir das traditionelle Verfahren des Absetzens überdenken sollten. Wir müssen die Auswirkungen auf das Wohlergehen von Fohlen und Stute beachten und die Vorteile, wenn das Fohlen länger bei der Mutter bleibt, in Betracht ziehen. 

Was ist Absetzen?

Das Absetzen wird allgemein als die traumatischste Zeit im Leben des Fohlens angesehen. Es bedeutet, dass Fohlen und Stute sich nicht mehr sehen, hören oder berühren können. Der Abbruch der Bindung erfolgt in der Regel abrupt und zu einem Zeitpunkt, zu dem das Kleine noch eng mit seiner Mutter verbunden ist. Durch das frühe Absetzen ist das Fohlen verschiedenen ernährungsbedingten, sozialen und umweltspezifischen Herausforderungen ausgesetzt. Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass das Absetzen zu kurzfristigen und in einigen Fällen auch zu langfristigen schwerwiegenden Beeinträchtigungen führen kann. 

Der Hintergrund des Absetzens 

Die Praxis des frühen Absetzens im Alter von vier Monaten geht auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Damals fanden Forscher heraus, dass die Milch der Stute nicht mehr ausreicht, um das schnell wachsende Fohlen etwa drei bis vier Monate nach dem Abfohlen zu ernähren. Man ging daher davon aus, dass es für die körperliche Entwicklung von Fohlen gut ist, wenn man früh absetzt. Die routinemäßige Praxis des frühen Absetzens verbreitete sich unter professionellen Züchtern, dicht gefolgt von nichtprofessionellen Züchtern, die nur ein oder zwei Stuten besaßen. Mit dem heutigen Wissen über das Wohlergehen von Pferden und den neuen Möglichkeiten der Pferdehaltung und -fütterung gibt es keinen Grund mehr Fohlen und Stute so früh zu trennen. Trotzdem ist es aus praktischen und wirtschaftlichen Gründen immer noch eine weit verbreitete Praxis unter Züchtern. Leider beruhen einige dieser Gründe eher auf Gewohnheit und Tradition als auf den Aussichten, das Wohl der Fohlen zu verbessern. 

Beurteilung des Wohlbefindens während des Prozesses 

Für die Beurteilung des Wohlbefindens ist die Wahrung emotionaler Bedürfnisse ebenso wichtig wie die Berücksichtigung körperlicher Bedürfnisse. Das Fünf-Domänen-Modell ist eine wissenschaftlich fundierte Struktur zur Bewertung des Wohlergehens von Tieren. Es berücksichtigt die Tatsache, dass Tiere eine Reihe positiver und negativer Emotionen erleben können und betont die entscheidende Rolle positiver Erfahrungen für das Wohlbefinden eines Tieres.  

Das Modell umfasst fünf Bereiche: Ernährung, Umwelt, Gesundheit, Verhalten und psychische Aspekte.

Wenn ein Fohlen abgesetzt wird, bevor es bereit ist, wird das Wohlergehen des Fohlens in allen fünf Bereichen gestört: 

  • Die Ernährung des Fohlens ist beeinträchtigt, da es feste Nahrung noch nicht vollständig verdauen kann. 

  • Die Umgebung des Fohlens wird verändert, da es nicht mehr bei seiner Mutter und der Herde bleiben kann. 

  • Das Absetzen kann die Gesundheit des Fohlens beeinträchtigen, da es neuen Krankheitserregern und Stress ausgesetzt ist. 

  • Das Verhalten des Fohlens wird negativ beeinflusst, da es stereotype Verhaltensweisen wie Krippenbeißen oder Weben entwickeln kann. 

  • Die psychische Verfassung des Fohlens wird gestört, da es Angst und Stress ausgesetzt ist.

Von Merete Haahr Fotos: Vielbauch - Thorsten Schneider & Kamila Tworkowska

Das Absetzen ist eines der stressigsten Ereignisse für das Fohlen und seine Mutter. Das vom Menschen initiierte frühe Absetzen hat zahlreiche psychische und physische Folgen. Die Verhaltensforschung zeigt, dass das Absetzen bei wild lebenden Pferden viel später erfolgt und keinerlei Stress verursacht. Vielleicht ist es mit Blick auf das Wohlergehen des Pferdes an der Zeit, die herkömmliche Praxis zu überdenken? 


Werden Fohlen zu früh entwöhnt? 

Wissenschaftlich fundierte Forschung schlägt vor, die Praxis der frühen Entwöhnung zu überdenken. 

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